23
Apr
2011

Zufall (?)

Heute morgen habe ich meine Handschuhe gesucht. Fatal, wenn ich die verschlammt hätte. Irgendwann beim Frühstück dämmerte mir, dass sie in der bereits verstauten Regenjacke sein könnten und glücklicherweise war dem auch so.
Das bringt mich zu meinen derzeit 3 wichtigsten Kleidungstücken beim Radfahren:
1. Halstuch
2. Handschuhe
3. Helm
Nicht, dass andere unwichtig sind, aber die drei sind unentbehrlich.

Als wir uns gestern verabschiedeten, dachte ich mir, wahrscheinlich werde ich "meine" Engländer heute wiedertreffen. Ich hielt also diverse Male Ausschau, aber so sehr ich auch suchte, ich fand sie nicht. Ich hatte mir zwar die "Coasts and Castles"-Karte, die jetzt Ende März wieder neu aufgelegte Newcastle-Edinburgh Ausgabe, von ihnen abfotografiert, aber versäumt auch nur irgendeine Telefonnummer auf zu schreiben.
Wäre der Weg zu dem Beachcomber Campsite nicht so furchtbar schlecht gewesen und wäre der Platz nicht komplett ausgebucht gewesen, wäre ich nicht nach Berwick weitergefahren. Wäre der anvisierte Campingplatz in Berwick nicht ein reines Caravan-Hüttendorf gewesen, wäre ich wohl nicht nach Berwick reingefahren. Weil ich einigermaßen angespannt war, weil ich noch keine Unterkunft hatte, nahm ich die erst Beste Gelegenheit eines Zimmers für unter £50, das "The Rob Roy". Hätte mich nicht dann jemand angerufen und mich dazu gebracht aufzustehen und beim Telefonieren aus dem Fenster zu sehen, so hätte ich die Vier NICHT gesehen, wie sie gerade den Weg hinuntergingen.
So sah ich sie, würgte das Gespräch ab, hechelte die Treppe runter, sah sie in "meinem" Pub und dann hatten wir einen netten Abend zusammen.

ps.: Jetzt hab ich ne Telefonnummer
pps.: es regnet den ersten englischen Regen (und ich bin nicht im Zelt!!)

Coasts and Castles

Heute fuhr es sich irgendwie schlechter als gestern. Mag sein, das mir das Frühstück nicht recht bekam. Mag sein, dass ich meine vier Weggefährten von gestern nicht mehr hatte, vielleicht auch, dass ich zu wenig Erholung, nach den erneuten fast 100 km hatte.

Es gibt jede Menge alte Castles zu sehen. Herausragend darunter ist Bamburgh, dessen Castle noch vollständig erhalten ist und das - so hab ich mir sagen lassen - nie erobert worden ist.

Holy Island hätte ich mir gern angesehen, wenn es mit dem Campingplatz geklappt hätte. Interessant ist die Erreichbarkeit von Holy Island, die nur beim Ebbe vorhanden ist. So ist Holy Island im wahrsten Sinne des Wortes eine Halbinsel. Ich hätte heute bis ca. 6:30 pm wieder runter sein müssen.

Der Radweg an der Küste ist gar keiner: So wohl das 2 km Teilstück bis zum Campsite, als auch später ein Abschnitt direkt an der ungeschützten Steilküste vor Berwick besteht aus Gras oder einer nicht befahrbaren Spurrille. Für die 12 km von der Abzweigung bei Holy Island bis nach Berwick-upon-Tweed muss man über eine Stunde einkalkulieren.

[88 km Amble-Bamburgh-(Holy Island)-graswegundklippen-Berwick upon Tweed]

22
Apr
2011

And the winner is ...

South Shields hüllte sich in dichten, kaltem Nebel. Die Strecke nach Newcastle flussaufwärts, linkseitig ist alles andere als berauschend. Wenigstens kommt auf halber Strecke die Sonne raus. Der Anblick von Newcastle entschädigt für die (Tor-)tour. Auf der Gateshead Millenium Bridge lässt sich gut verweilen. Der Rückweg zum Meer nach North Shields auf dem Hadrians Way ist deutlich netter zu fahren.
Bei North Shields hat dann der Nebel wieder das sagen. Ganz England stehen die wärmsten Ostern seit 1984 bevor, aber die nordenglische Ostküste wird vom Nebel belagert. Die Küstenstrecke wird zum Schaukampf Sea Fret gegen Sonne. Es ist wie bei einem Handballspiel - fast die gesamte Spieldauer liegt der Nebel deutlich vorn, selbst in Amble noch.
Und am Ende hat doch die Sonne gewonnen und einen glutroten Sonnenuntergang beschert.
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Bin mehr als 45 km mit vier englischen Radlern zusammengefahren. Sie nächtigen gut 10 km weiter als ich, aber mit einiger Wahrscheinlichkeit könnte ich sie morgen wieder treffen. Sie nutzen die Ostertage für eine Tour von Newcastle nach Edinburgh und wir fahren auf dem gleichem Weg.

[98 km. South Shields-Newcastle-North Shields-thefog-holländischedünen-Amble]

21
Apr
2011

tuuut

Heute gab's nicht viel zu sehen. Bin im Nebel losgefahren und im Nebel angekommen. Dazwischen, am Meer Nebel, weg von der Küste - Sonne(!).
In Hartlepool habe ich mich mit einem netten Ehepaar unterhalten. Sie nennen diesen Nebel hier "sea fret", was in etwa "wet mist" bedeutet, eine typisch englische Frühsommererscheinug an der Ostküste. Er macht sich typisch in einem Küstenstreifen von 3-5 Meilen breit, wenn der Wind, wie heute, aus N, NE kommt. Das Unangenehme ist die Kälte, die der sea fret mit sich bringt. Den Nordengländern scheint das allerdings wenig auszumachen, die Meisten laufen auch bei 9 Grad im T-shirt rum.
Bei Ryhope hörte ich es zuerst - das Nebelhorn. Nach einem kurzen Landeinwärtsbogen empfängt ein das Nebelhorn von Sunderland und begleitet einen bis weit hinter die Stadt, um dann von seinem Pendant in South Shields abgelöst zu werden, scheint die ganze Nacht zu hören zu sein.

[88 km M.bro-Hartlepool-Sunderland-South Shields]

20
Apr
2011

Sorry,

dass ich Weichei mich vor ein, zwei Tagen über lächerliche 16% ausgelassen habe.
Die "52" durch den Nationalpark, die hervorragend ausgeschildert ist, hat eine Menge Up and Down's anzubieten. Insgesamt 5 mal musste ich mein Rad auf den ersten 45 km (ca. 4 1/2 Stunden) schieben, weil ich trotz 22 Zähnen vorn zu 28 hinten, die 16-20% Steigung einfach nicht durchtreten konnte. Ungefähr war das zusammen 2 km Schieberei.
Bergab war das Steilste ausgewiesene Stück mit 25% angegeben. Hat viel Gummi gekostet heute, denn fast alle Abfahrten hatten enge Kurven und man kam immer schnell auf 50 km/h.

[77 km. Whitby-raufundrunterdurchdieheide-Great Ayton-Rudby-Middlesbrough]

North York Moors National Park (part 2)

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Vielleicht ist eine Landschaftsbeschreibung mit dem Wort "interessant" nicht sehr aussagekräftig.
Eine Übersetzung für das englische Wort "moor" ist Heide. Und das ist es, was sich manchmal über weite Hügel bis zum Horizont hinzieht. Manchmal gibt es auf den Nordseiten der Moore (Nadel-)Wälder. Aber oberhalb von 200 m Höhe habe ich nur einzelne Bäume gesehen. Dabei ist der Anblick, auch wenn er sich über 4 Stunden hinzieht, überhaupt nicht langweilig. Es ist eine einzigartige meistens sanft gewellte Heidelandschaft aus der nur der "Roseberry Topping" mit 320 m an der Nationalparkgrenze herausragt.

19
Apr
2011

North York Moors National Park

Eine Eisenbahnfahrt durch einen Nationalpark ist sehr entspannend. Eine mit Dampf- und alten Dieselloks betriebene Linie fährt von Whitby nach Pickering durch die Yorkshire Moors, eine sehr interessante Landschaft. Der Souvenirladen im Bahnhof von Pickering wartet als Blickfang mit einem Buch über die größten britischen Eisenbahnunglücke auf.
Man kann diverse Zwischenstopps einlegen. Da man auf dem Rückweg entweder in Goathland oder Grosmont umsteigen muss, habe ich einen früheren Zug gewählt und bin in Goathland ausgestiegen. Der Ort war Schauplatz der englischen TV-Serie Heartbeat und hält dieses Image hoch.

Whitby ist eine lebhafte Küstenstadt, deren Anblick durch das Whitby Abbey hoch oben am Cliff dominiert wird. (Hier ist dann auch das Youth Hostel beheimatet. Quasi zur Belohnung eines anstrengenden Fahrradtages muss man noch den Berg hochstrampeln).
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18
Apr
2011

23 1/2 Meilen

Leicht wellig aber doch bergan führt die Strecke von Bridlington nach Hunmanby. Bislang waren die Straßen in Northern England OK und wenig befahren. Hinter Hunmanby geht es stetig bergan auf stark befahrener Straße. Oben dann 2 Warnschilder, die 16% kurvenreiches Gefälle ankündigen. Was folgt ist eine bärenstarke Abfahrt, die vollste Konzentration abverlangt, auch wegen des Verkehrs. Möchte nicht in der Gegenrichtung unterwegs sein. Die Stelle ist in der Karte auch nicht besonders erwähnt.
Scarborough bietet einen tollen Anblick auf das Schloss.
Hinter Scarborough beginnt dann das Fahrrad "Highlight" des Tages, die 23 1/2 Meilen Feldweg, Split- und Schotterpiste nach Whitby. Zunächst geht es scheinbar endlos (11 Meilen) immer stetig bergan und ist teilweise mühevoll zu fahren. Dafür bin ich 45 min keiner Menschenseele begegnet. Belohnt wird man mit einer grandiosen Aussicht auf Robin Hood's Bay.
Die Abfahrt nach Robin Hood's Bay ist dann aber eine Belastungsprobe für Rad und Radler.
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[78 km Bridlington-Scarborough-verdammtlangedreiundzwanzigeinhalbmeilenschotter-Whitby]

17
Apr
2011

Ironie

England von seiner schönsten Seite. Sonnig, wenig Wind und durch den kühlen Wind nicht zu warm. Eine Landschaft wie die Holsteinsche Schweiz, blühende Rapsfelder, Hecken an den Straßen, leicht wellig.

Nach etwas mehr als der Hälfte dessen, was ich mir für heute vorgenommen habe, stelle ich fest, dass ich mein Tagebuch verloren habe. Ich beschließe, bis zum letzten Rastplatz zurück zu fahren. Leider ohne Erfolg, am letzten Halt ist es nicht, am Wegesrand auch nicht und es wurde auch nicht im Pub abgegeben, vor dem ich gehalten habe. Welch Ironie, da sucht der Tagebuchschreiber des Tagebuchs eines Suchenden sein Tagebuch und kann es nicht finden.

[85 km -Hull-Beverly-Driffield-Bridlington.](+13 km auf der Suche)

(Nachtrag zu gestern)

Im Süden der Niederlande führt die Noordzeeroute hinter Breskens zunächst am Meer längst, biegt dann landeinwärts, führt wieder zurück an die Dünen um dann wiederum landeinwärts zu laufen. Dabei kommt man an einigen Campingplätzen vorbei. Ich habe den Eindruck, die haben die Route gesponsert. In Cadzand habe ich die Route verlassen und bin über Retranchement, Grenze und Knokke direkt nach Zeebrügge. Hier trifft man den LF1a wieder.
Um 15:00 eingescheckt nach Hull.

Kurz hinter Cadzand ein englisches Paar getroffen. Beide fahren zusammen bis Amsterdam, dann fährt sie allein weiter bis Esbjerg.

16
Apr
2011

Höllenritt

Die Fähre heute um 5 vor 10 in Vlissingen hinüber nach Breskens über die Schelde zu erreichen, erschien mir ein lohnenswertes Ziel. Es gab zwar Frühstück erst um halb 9, aber bis Vlissingen sind es "nur" 15 km. Gepackt hatte ich und das Frühstück ein bisschen hastig verschlungen, so dass ich 5 vor 9 losfuhr - eine Stunde Zeit also. Radwegweiser nach Middelburg (10 km) anvisiert und ab ging's.
500 m gefahren und Baustelle mit schlecht ausgeschilderter Umleitung angetroffen. Planlos herumgesucht und schliesslich beschlossen, "hintenrum" zu fahren. Beim Zurückfahren dann tatsächlich die richtige Umleitung entdeckt - 1,5 km verdaddelt, 55 min bis Vlissingen.
Nun die Hauptstraße hinunter, mäßiger Verkehr, guter Radweg, ein bisschen Tempo erhöht (21 km/h).
Ortsdurchfahrt Middelburg gesperrt wegen Asphaltierungsarbeiten, kurz orientiert, Umleitung gefunden und weiter. Noch 7 km und es ist 5 vor halb.
Nach Vlissingen gibt es eine lange gerade Straße parallel zur Schnellstraße - endlich bin ich aus dem Ort (Middelburg) raus -15 min noch für 5 km - Tempo wird weiter angezogen (23 km/h).
Da taucht endlich ein Fährwegweiser nach Breskens auf - 3 km!, und ich habe noch 9 min. Linksrum, Bahnschranke geht zu, Zug durch und ich unter der halb geöffneten Schranke durch - rechtsrum - ASPHALTIERUNGSARBEiTEN nun über den Fußweg durch die Baustelle durch weiter auf einem nur geschotterten Radweg auf die Straße zur Fähre ich geb jetzt alles was an frühmorgentlicher Muskelkraft da ist um in den verbleibenden 2 Minuten den einen Kilometer zu schaffen Hafen wird unübersichlich Fähre steht noch Tore geschlossen nein Fußgängertor ist noch offen, ich rolle die Gangway hinunter und frage, ob ich an Bord bezahlen könne - ich müsse das Ticket oben lösen, sagt man mir. - "Will you wait for me?" - "No"
...
Ich sacke in mich zusammen und bin völlig fertig. ...und dann gibt er mir ein halb verstecktes Zeichen an Bord zu kommen. Das ist Holland!

[57 km V.Polder-tunnelblick-Vlissingen/Breskens-aufdemLF1aandiversencampingplätzenvorbei-Cadzand-Retranchement-Zeebrügge-(Hull)]

Belgien erreicht

12:15 Grenzübertritt, aber eine echte Grenze oder irgendwelche Hinweisschilder gibt es nicht
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